UCI Gravel World Championship 2022 Venetien Italien 🇮🇹 Mein persönlicher Eindruck der WM.

UCI-Gravel-Weltmeisterschaften
08.und 09. Oktober 2022
Venetien Italien

Vorab – es wird immer sehr viel kritisiert, wenn Neues entsteht. Wie im Fall der ersten UCI Gravel Weltmeisterschaft 2022 in Venetien, Italien. Witzigerweise kommt dann häufig Kritik von Menschen, die überhaupt nicht dort waren, die sich eben nicht diesen echten Eindruck verschaffen wollten, um dann auch ernsthaft über das Thema zu sprechen. Ich mag es ja grundsätzlich nicht, wenn immer nur vom Sofa aus genörgelt wird.

Lasst uns über das Thema sprechen 🙂

Eine WM auszutragen wird wohl auch im professionellen Radsport kein einfaches Unternehmen sein. Besonders bei einem so hochsensiblen Thema wie dieser Gravel WM. Auf der einen Seite steht der Spirit dieser in Europa relativ frischen und “erfrischenden” Disziplin; Abenteuer, Entdeckungslust, Spaß am Fahren, Miteinander sein. Alter, Geschlecht, alles nicht wichtig in dieser Community. Natürlich kommt auch hier irgendwann der ernüchternde Moment, in dem diese Disziplin “professionalisiert” wird. Und das finde ich persönlich als einen guten, ganz normalen und gesunden Weg. Sport kann immer sowohl im Amateurbereich betrieben werden, als auch im professionellen Bereich. Zwei Welten, die sich gut vertragen sollten.

Austragungsort der ersten Gravel WM am am 08. und 09. Oktober 2022 war die Region Venetien. Die Rennen starteten in Vicenca und endeten in Cittadella. Tolle Stimmung und wirklich gute Atmosphäre! Italien liebt den Radsport. Mit einigen großen Stars wie Peter Sagan, Pauline Ferrand-Prévot, Mathieu van der Poel und auch Tadej Pogačar als prominenter Zuschauer – by the way – ein netter Kerl, sehr sympathisch. Ich selbst habe mich an beiden Tagen rund um die Uhr zwischen Vicenca und Cittadella aufgehalten, war am Start aller Klassen dabei und bin dann einige Teile der Strecke abgefahren. Bis ich dann rechtzeitig genug wieder in Cittadella im Ziel stand. Das habe ich 2 Tage getan, einmal habe ich mir sogar “zivile” Kleidung angezogen 🙂

Der Kurs

Die ersten Kilometer waren ganz schön, gleich direkte Ansteige nach dem Start in Vicenca. Aber irgendwann wurde die Strecke nicht mehr ganz so technisch oder schwierig zu fahren. Das man dann auch mal auf Radwegen unterwegs war, klingt ein wenig abenteuerlich 🙂 Auf jeden Fall war der Kurs schnell und flach! Wobei schön hier durchaus im Auge des Betrachters liegt. Gut, das wird wohl auch den örtlichen Gegebenheiten geschuldet sein.

Die Räder

Diese Gravel WM wurde klar dominiert von World Tour Fahrern. Auf Rennrädern. Hier muss sich etwas ändern – man kann nicht die Serie auf echten Gravel-Kursen fahren und die WM auf einem entschärften Kurs. Und ich bin der Meinung, das wenn man auf einem Gravelkurs mit einem Rennrad gewinnen kann, dann sollte man den Kurs nachbearbeiten. Und vielleicht auch das Regelwerk, wie ein Gravelbike für die UCI definiert wird (Reifenbreite etc). Das muss klarer werden in Zukunft. Ich weiß auch nicht, ob die Hersteller von Gravelbikes das alles so nice fanden, das die Gravel WM überwiegend auf Rennrädern gefahren wurde.

Das Rennen

Hier kann ich ja nur das beschreiben, was ich am Start und im Ziel gesehen hatte. Und das empfand ich als ein wenig chaotisch. Beim Start war man sich wohl nicht ganz sicher, wohin man die Leute platziert. Wohin mit den World Tour Fahrern? Irgendwann standen diese Profis dann eben ganz vorne. Aber warum? Keine Ahnung. Das selbe sah ich bei den Profi-Frauen. Man fand es wohl attraktiver, die Profis ganz vorne zu sehen. Verständlich. Kurz nach dem Start der Elite kamen die Altersklassen, die einen um ca. 30 KM gekürzten Kurs gefahren sind. Wie auch die Elite-Frauen, die Frauen-Altersgruppen sowie die Männer-Altersgruppen ab 50. Wieder ein großes WARUM? Weshalb nicht alle auf der gleichen Streckenlänge unterwegs waren, kann ich mir nicht erklären. Ich weiß nur, was ich im Ziel gesehen habe. Und da war der Moment, als die Alterklassen-Leader fast zeitlich mit den Elite-Fahrern ins Ziel kamen. Das war auch irgendwie strange. Und vor allem fand ich es schade für die Siegerfahrer der Altersklassen, die dadurch ein wenig in ihrer Zieleinfahrt untergegangen sind. Lässt sich sicher auch noch optimieren.

Ich empfand diese Gravel Weltmeisterschaft 2022 als ein großes Erlebnis und als eine tolle Veranstaltung. Der Beginn von Neuem ist meist eine sehr delikate Phase. Das mag ich. Und es ist ein absolutes Muss für jeden sportlich, ambitionierten Gravel-Cyclist. Soweit ich gelesen habe steht auch schon der Termin für 2023 fest. Im September 2023 wird wieder auf der gleichen Strecke in Venetien gefahren. Und ich bin ziemlich sicher, dass sich bis dahin einiges daran verbessern lässt, und auch getan wird. Ich freu mich auf jeden Fall schon wieder darauf. Und bin glücklich, dass ich von Peter Sagan noch ein Autogramm abstauben konnte 🙂

Ergebnisse Elite Frauen 2022

1. Pauline Ferrand-Prévot (Frankreich) 4:09:07 Stunden
2. Sina Frei (Schweiz): s.t.
3. Chiara Teocchi (Italien): +0:00:11

4. Jade Treffeisen (Deutschland): s.t.
5. Barbara Guarischi (Italien): 0:00:27
6. Tiffany Cromwell (Australien): 0:00:40
7. Ilaria Sanguineti (Italien): +0:01:02
8. Letizia Borghesi (Italien): +0:03: 08
9. Rasa Leleivyte (Litauen): +0:03:11
10. Reijanne Markus (Niederlande): +0:03:14

Ergebnisse Elite Männer 2022

1. Gianni Vermeersch (Belgien) in 5:10:40 Stunden
2. Daniel Oss (Italien) + 0:43 Minuten
3. Mathieu van der Poel (Niederlande) + 1:28 Minuten

4. Greg van Avermaet (Belgien) + 1:29 Minuten
5. Yevgeniy Fedorov (Kasachstan) + 1:39 Minuten
6. Magnus Cort Nielson (Dänemark) s. t.
7. Alessandro De Marchi (Italien) + 1:40 Minuten
8. Zdenek Stybar (Tschechien)) + 1:46 Minuten
9. Davide Ballerine (Italien) +1:53 Minuten
10 Andreas Stokbro (Dänemark) + 2:43 Minuten

Foto-Impressionen

BTW – in meinem Instagram-Account findet ihr noch einiges an Bild- und Videomaterial vom WM-Wochenende.