Gepäck bei Langstrecke

Gelebter Minimalismus.
Taschen-Konfiguration für die Langstrecke.
Wohin mit dem ganzen Kram?

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich das bei langen Fahrten denn mit Gepäck, mit Beleuchtung, Essen und der Stromversorgung mache. Daher versuche ich in diesem Beitrag explizit auf das Thema Taschen und Gepäck einzugehen, bzw. meine Erfahrungen dazu weiter zu geben und ein Paar Antworten dazu liefern. Dies alles sind Empfehlungen auf Grundlage meiner persönlichen Erfahrungen und nach meinen erforderlichen Bedingungen beschrieben und können somit von Erfahrungen anderer Langstreckenfahrer abweichen. Jeder muss für sich selbst finden, was tatsächlich am besten passt.

Das Stichwort bei meinen langen Fahrten: self-supported. Es gibt keine Unterstützung, niemand der einen verpflegt oder Wechselklamotten oder Essen aus dem Auto reicht. Es geht um Minimalismus. Und Effizienz. Das Nötigste dabei zu haben. Alles andere kann man sich bei Bedarf unterwegs besorgen.

Hier meine Erfahrungen zum Taschen-Setup

Ziele:

  • genügend Essen dabei haben.
  • genug Platz für die Ausrüstung. Zur Ausrüstung gehören Werkzeug, Kleidung, Akkus für Lampen und Garmin.
  • keine störenden, körperlichen Irritationen entstehen lassen (Reiben an den Beinen).
  • Die Seitenwindanfälligkeit im Auge behalten, sowie Gewicht und Gewichtsverteilung.


Satteltasche

Als Satteltasche ist bei mir eine Apidure Saddle Pack mit 14 Litern Fassungsvermögen im Einsatz. Ausgestattet mit 2 Schnallen für den Sattel und zwei zur Befestigung an der Sattelstütze. Ich habe vorher ein Paar andere Sachen ausprobiert und auch gefahren. Problem war immer das Wippen der Taschen im Wiegetritt. Das wollte ich soweit, als möglich vermeiden. Daher empfehle ich persönlich die Taschen von Apidura ausschliesslich mit 2 Schnallen zur Befestigung an der Sattelstütze. Die Variante mit einer Schnalle wippt enorm, was ich als sehr störend empfinde. Was auch am Gewicht liegt, soll heißen, eine vollgepackte Tasche wird immer mehr wippen, als eine mit weniger Inhalt (Hebelwirkung).

Dieses Modell bezeichne ich gerne mehr einen Sack als eine Tasche. Alles wird eher gestopft, als zusammengelegt verpackt. Dadurch ist die Zugänglichkeit eher beschränkt und eine Überlegung, was als erstes verpackt wird, macht hier durchaus Sinn. In meiner Tasche befinden sich ganz unten solche Dinge, die nicht immer benötigt werden; Werkzeug, Ersatzschläuche, einen Ersatzmantel und ein Akku-Pack. Als nächste Schicht eine Castelli Perfetto Jacke – meine persönliche Allzweckwaffe für alle Wetterbedingungen. Als letztes verpacke ich das Essen und ganz oben darauf, mein wichtigstes Teil – ein wasserdichter Zipp-Beutel mit allen möglich Utensilien, wie zb. Schmerztabletten, ein Taschenmesser, Ersatz-Flickzeug, ein Paar Kabelbinder, eine Rettungsdecke, ein Feuerzeug, ein Paar Schnürre, Ersatzschrauben für die Cleats, Zahnbürste, Sonnenmilch etc. Alleine diese Tüte ist schon einen eigenen Beitrag wert (folgt in Kürze).

Produktfoto: apidura.com

Dies ist keine Generalempfehlung, sondern alleine das Ergebnis meiner Erfahrungen, abhängig von meinem Gewicht, meiner Größe, meiner Sattelposition und meinen eigenen Ansprüchen. Ich höre manchmal von anderen Kollegen, diese Tasche würde wohl an den Beinen reiben, oder gar zu sehr wippen. Das trifft bei mir nicht zu. Durch das Vorstellen meines Sattels (Stichwort: Bikefitting) sitzt meine Tasche richtig und kann somit nicht an meinen Beinen reiben. Auch halte ich immer das Gewicht im Auge, die Tasche ist nie komplett voll und nicht überschwer bepackt. Somit auch fast kein Wippen und noch immer Platz für Dinge, die ich vielleicht unterwegs noch besorgen und kaufen muss. Was nicht selten vorkommt.

Alleine diese Satteltasche reicht für mich aus, Langstrecken um die 400 km damit zu fahren, inklusive Nachtfahrt. Alles ist dabei, was ich für diese Zeit benötige. Ich bin auch weit längere Brevets damit gefahren. Kann man machen, muss man aber nicht.

 

Lenkertasche

Dieses Jahr habe ich mir dann noch eine Fronttasche gegönnt. Ausschlag gebend dafür war meine erneute Teilnahme am Rando Imperator im Mai. Ein Brevet von München, startend über die Alpen hinweg, bis nach Ferrara. Wer den Reschenpass im strömenden Regen überquert, der wünscht sich noch ein Paar Wechselklamotten. So auch ich. Letztes Jahr hatte ich diese nicht dabei. Und wir hatten 2016 viel Regen, sehr viel Regen. Und wenn du nass bist, kommt die Kälte. Und das Fahren am Wasser. Da wünscht man sich eine dicke Jacke, mehr als alles andere. Aus dem Motiv heraus habe ich mich für eine Apidura Handlebar Pack Dry 9L Tasche entschieden. Das Teil ist einfach wie ein Rolle zu verstehen, auf beiden Seiten zu öffnen und zu verschliessen. Zugänglichkeit auch nicht so gut, aber auch gedacht für Dinge, die nicht ständig verfügbar sein müssen. Dafür gutes Handling und sie ist zu 100% wasserdicht.

In meinem Fall, je nach Tour und Jahreszeit, mit folgenden Dingen bepackt:

  • Montura Hardshell Jacke
  • Socken, lang und kurz
  • Handschuhe für Temperaturen gegen 0 Grad
  • eine Mütze unter den Helm, damit die Öhrchen auch schön warm bleiben

Alternativ für Fahrten im Sommer, mit kurzem Aufenthalt:

  • kurze Hose
  • Badehose
  • Flip-Flops
  • leichte Jacke
  • T-Shirt
  • kleines Handtuch

 

Oberrohr
Eine kleine, schlanke Oberrohrtasche von Profil Design für einen weiteren Akku-Pack, einem USB-Kabel und ein Paar Kleinigkeiten zum Essen. Diese Tasche werde ich bald durch ein anderes Modell ersetzten. Ich benötige mehr Stauraum und sie sollte 100% wasserdicht sein.

 

Zusammenfassung meiner Zielvariante:

Das war’s. Soviel zu meinen derzeitigem Erfahrungen in Sachen Setup der Taschen-Konfiguration für die Langstrecke. Natürlich wird sich mein System in Zukunft noch erweitern und auch ändern. Bis ich aber eine Strecke von mehr als 2.000 Kilometern am Stück fahren werde – natürlich unsupported – genügt mir dieses Setup. Ab meiner persönlichen nächsten Schallmauer von 2.000 Kilometern wird sich sicher einiges wieder ändern. Auch weil dieser Markt der angebotenen Artikel sich ständig weiter entwickelt da das Thema Bikepacking weiter an Zulauf und Nachfrage gewinnt.

 

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