Triple-Ultra-Triathlon Worldchampionship 540 km

Triple-Ultra-Triathlon
IUTA World Championships 2017
Bad Blumau/Österreich


Wie kommt ein Rennradfahrer auf die Idee, bei einer Ultra-Triathlon-Veranstaltung zu starten? Als ich letztes Jahr von Megy gefragt wurde, ob ich mich als Rennradfahrer an der Staffel beteiligen will, habe ich nach kurzen Überlegen zugesagt. Ohne große Recherche zum Event selbst. Ich wusste, es müssen 540 km gefahren werden, 3 x die Ironman-Distanz, am Stück. Machbar, dachte ich mir, außerdem eine gute Gelegenheit einmal so in einen Event dieser Art rein zu schnuppern. Und Bad Blumau klang für mich näher, als sich später tatsächlich zeigte. Keine große Sache, kein großer Aufwand – dachte ich.

Drei Dinge, die mir ca. 2 Wochen vor dem Event erst klar wurden:

  1. Bad Blumau liegt in Österreich in der Steiermark, ca. 620 km entfernt von Bayreuth.
  2. Der Radkurs ist eine Rundstrecke mit 2,7 km Länge und muss 200 x gefahren werden.
  3. Nahezu alle Staffeln teilen sich jede einzelne Disziplin und wechseln sich ab. Wir nicht.

Die Vorbereitungen und die Anreise waren schon mit kleinen Hürden gespickt. Montag Abend vor dem Event bricht mir die Mavic-Radfelge. Goldi aus dem Radshop hilft, Tim leiht mir kurzzeitig ein passendes Hinterrad, welches ohne viel Aufwand dann mit meinem Cervelo auch kompatibel ist. Spontane Hilfe sind Dinge, die nicht selbstverständlich sind. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich würde zwar das Gleiche tun, aber nicht jeder tut es für mich. Das war eine große, sportliche Geste.

Dienstag fällt mir beim Befüllen von Öl beim Van, der Deckel in den Motorraum nach unten, verschwindet dort und ich muss noch einmal in die Werkstatt. Verkleidung entfernen, Deckel wieder da. Auch erledigt. Dabei entdeckt – Keilriemen locker. Donnerstag gegen 9 Uhr Abreise in Richtung Bad Blumau. Gegen 13 Uhr geht mir der Kühler hoch, ich verbrenne mir den Unterarm mit kochend heißer Flüssigkeit. Bei Haag im Hausruck fahre ich mit dem Van in eine Werkstatt, während dessen suche ich einen Arzt auf, lasse mich versorgen. Beim T4 sind beide Lüfter ausgefallen, Sicherung geschossen. Für mich im Auto nicht erkennbar, da die Temperatur-Anzeige auch einen Treffer hatte. Alles in allen wieder viel Glück gehabt. Gegen 16 Uhr entscheide ich, meine Reise fortzusetzen.

Das ich meine Teilnahme absage, wegen der Verbrennung, ging mir nur einmal durch den Kopf. Ich hatte es selbst in der Hand zu entscheiden, was ich nun tue. Mein Gefühl für Verantwortung ist stärker, als die Bereitschaft etwas aufzugeben. Außerdem hatte ich keine lebensbedrohliche Verletzung, das war mir selbst klar. Nachdem ich mich entschieden habe, hatte ich kein mal mehr an dem Wochenende über ein Aufgeben nachgedacht. Volle Konzentration nun auf den Event und auf das Finish.

Gegen 20 Uhr komme in Bad Blumau an. Vorbesprechung komplett verpasst. Alles was noch vom Essen für mich übrig ist, ist ein Teller lauwarmer Nudeln. Soviel zur Pasta-Party bei Triathlon-Veranstaltungen! Tja, wer zu spät kommt, den bestraft die lauwarme Nudel.

Freitag, der Event beginnt: die ersten Einzelstarter starten um 7:00 mit dem Schwimmen über die Distanz von 11,4 km. Wohlgemerkt in einem 25-Meter-Bahn-Becken. 456 Bahnen schwimmen – das erste Mal verspürte ich großen Respekt vor allen Teilnehmern dieser Veranstaltung. Ich denke an Heide, und daran, dass sie sich hoffentlich nicht verzählt 😉 Die nächsten Starter gehen ab 13:00 Uhr in das Becken und in das Rennen. Unsere Staffel startet mit Heide und dem Schwimmen um 19:00 Uhr. Zeitlich betrachtet hat mir das alles eher weniger gefallen, als letzte Gruppe zu starten. Ich hatte schon geahnt, bzw. grob ausgerechnet, wie sich das auf die Radstrecke auswirkt.

Nachdem Heide die 11,4 km hinter sich hat, bin ich nun dran. Laut meinem Garmin bin ich 23.33 Uhr gestartet, 540 km lagen vor mir, 200 mal einen Rundkurs von 2,7 km und das mit einem Handicap am Arm. Und trotzdem liefen die ersten 180 km super gut. Es war Nacht und es war verregnet. Optimal, genau meine Bedingungen 🙂 somit bin ich mit einem 32er-Schnitt durch die Nacht geballert. Lediglich einen kurzen Stop, mein Rücklicht war ausgefallen und eine andere Staffel hat uns mit einem Rücklicht ausgeholfen hat. Auch hier großes Danke!

Dann kam der Morgen. Und die Hitze. Und der Schmerz am Arm. Trostloses im Kreis fahren. Eine Runde gleicht der anderen. Runde für Runde. Ich hätte nie gedacht, wieviel mentale Härte dafür nötig ist, dies zu tun. Alle diese Ultra-Triathleten geniessen seitdem meinen höchsten Respekt. Zwar bin ich auch schon früher ein Paar mal im Kreis gefahren, z.B. beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim. Aber auf einem weit, längerem Kurs mit mehr Höhenmetern, mehr Abwechslung – nicht vergleichbar mit einer 2,7 km Rundstrecke mit 10 Höhenmeter pro Runde. Nach 100 gefahrenen Runden kennst du jeden Stein, jede Blume, jedes Schild im Ort. Ich lenke mich ab, klassifiziere die Typografie auf den Schildern, zähle die Bäume am Straßenrand, weiß zu jeder Zeit, wann wird geschaltet, wann wird sich auf die Aerobars gelegt. Selten war es mir so langweilig, wie dort auf dem Kurs. Ich fahre ein Paar Runden mit Karla, einer Einzelstarterin aus Kroatien. Habe ein wenig Talk mit ihr, fahre mit ihr zur Dusche 😉 (geniale Idee mit der Dusche, die der Chef der Thermenoase für uns dort eingerichtet hatte. Einfach durchfahren und kurz erfrischen. Ein Traum bei den Temperaturen). Auch Tristan wird von mir in ein kurzes Gespräch verwickelt. Danach mache ich vom Rad aus ein Paar Fotos. Alles auch aus Gründen, mich von dem, was mancher einer als Schmerz empfindet, abzulenken. Und trotzdem war die zweiten 180 km einfach nur die Hölle. Der Arm schmerzte, die Blasen der Verbrennung waren mittlerweile offen, mein Magen rebellierte, der Kreislauf ging in den Keller und ich wusste nicht mehr, was ich an Energie zu mir nehmen sollte. Dabei haben mich Megy und Heide in der ganzen Zeit wirklich super versorgt. Alles was ich benötigt habe, bekam ich in der nächste Runde zur Übergabe, ohne anzuhalten. Das war ein richtig guter Job von den beiden Mädels. Und trotzdem eierte ich über die Radstrecke wie ein Besoffener.

Gegen 16 Uhr stoppe ich. Stelle mein Rad ab. Gehe wortlos ins Hotelzimmer von Megy und lege ich mich hin. Ohne einen Gedanken an überhaupt irgendwas zu verschwenden. Ich wache nach einer Stunde wieder auf, verschwinde kurz im Bad, während Heide mir mitteilt, dass Zeitfenster würde sich für mich um 01.00 Uhr Nachts schliessen. Wenn ich bis dahin nicht die 540 km gefahren habe, kann Megy nicht mehr starten. Es ist jetzt 17:30 Uhr. Ich ziehe meine Radschuhe an, setzte meine Helm auf, mache meine Oakley sauber, rechne kurz im Kopf, was das bei noch 170 zu fahrenden Kilometern konkret heisst und funktioniere nur noch wieder der bekannte Hamster im Laufrad. Bei einem konstanten Puls von zwischen 115 und 125 fahre ich im Grundlagenbereich. Soll heißen, keine große Nahrung nötig, nur Wasser zur Versorgung. Und schluckweise Cola, um wach zu bleiben. Nichts, was dem Magen jetzt noch groß Schaden könnte. Kein Risiko eingehen. Nur Treten, treten, treten. Die letzten 100 km bin ich dann alleine auf der Radstrecke gefahren. Der frustrierendste Moment an diesem Wochenende für mich. Nur ich alleine, hinter mir kein einziger Fahrer mehr. Manchmal habe ich mich intuitiv umgedreht und den Besenwagen erwartet.

Das alles hatte mir nicht gefallen. Schon von Anfang an, dass wir als Staffel einfach so spät starten mussten. Dazu kam noch, dass jeder seine eigene Disziplin alleine absolviert hat und wir dadurch ganz anders getaktet waren. So kannst du nur ganz hinten raus kommen! Ich denke, da muss sich der Veranstalter noch einmal Gedanken machen. So macht das für mich persönlich keinen Spaß. Dann alle in der gleichen Wertung geht nicht. Da muss man schon mit gleichen Bedingungen bewerten.

Kurz vor Mitternacht schliesse ich meine letzte Runde ab. 200 Runden waren gefahren. 170 km in noch mal 6 Stunden, eine Stunde vor Ende des Zeitlimit. Die Streckenposten können endlich in den Feierabend. Ich übergebe meinen Tracker an Megy. Die macht sich nun auf den Weg, die 126 km zu absolvieren. Am Ende auch mit Erfolg. Sonntag Nachmittag sind wir im Ziel. 43:53.13 Stunden. Ich bedanke mich bei meinen Staffelpartnern Heide und Megy für die Betreuung und für die gemeinsame Teilnahme.

Mein Fazit aus dieser Aktion; keine Teilnahme für mich an Ultra-Triathlon-Events mit Radstrecken unter 10 Kilometer. So macht mir das alles keinen Spaß. Ich bin Abenteurer, ich bin Brevet-Fahrer und Langstreckenfahrer. Ich liebe es so weit als möglich zu fahren, ohne große Pausen, bei allen Wetterbedingungen. Mit wenig Gepäck. Am liebsten in den Bergen. Je mehr an Höhenmetern, umso geiler finde ich das Ganze. Ich will voran kommen. Am liebsten autark, ohne Hilfe von aussen. Je härter die Schinderei, desto größer das Abenteuer für mich. Always simple with passion. That‘s my live.

Veranstalter und Event:

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